Das wundert mich aber

Glauben Sie an Wunder? Ich halte mich eigentlich für eine Realistin, die mit beiden Beinen fest im Leben steht und erst einmal allem skeptisch begegnet, was ich nicht durchschaue. So sind mir zum Beispiel Zauberer höchst suspekt und für kein Geld der Welt würde ich mich in eine Kiste legen, um mich durchsägen zu lassen, obwohl ich die hundertprozentige Zusage bekomme, mein Leben wäre damit nicht in Gefahr. Es gibt für mich eben Dinge zwischen Himmel und Erde, die schwer begreifbar sind.

Zwei haben sich gesucht , gefunden – und werden ein perfektes Ganzes

Aber sind das Wunder? Diese geschehen meist plötzlich. Sie lassen sich nicht herbeiwünschen, sondern kommen ungerufen, meist in den unwahrscheinlichsten Augenblicken, und widerfahren jenen, die am wenigsten damit gerechnet haben. So jedenfalls beschrieb Georg Christoph Lichtenberg diese Phänomene. Wir sprechen vom Wunder der Natur, wenn ein kleines Menschenkind das Licht der Welt erblickt hat, perfekt bis zu den winzigen Fingernägeln. Vom Wunder der Liebe, wenn zwei von Milliarden Menschen sich gefunden haben, die zueinander passen, wie der Topf zum Deckel. Wir hoffen auf das Wunder der Heilung bei tödlichen Krankheiten, sprechen vom „Wunder von Bern“, von Zeichen und Wundern, obwohl wir das Alte Testament kaum kennen und eigentlich nur unserem Verstand vertrauen. Und wie oft sagen wir: Das wundert mich aber.

Das Sich-wundern-Können ist also eine menschliche Fähigkeit, die uns ermöglicht, im Alltäglichen etwas Besonderes zu sehen und zutiefst überrascht zu sein. Es gibt so viele Menschen, Momente und Dinge, denen wir achtlos begegnen oder deren Besonderheit uns erst im Nachhinein bewusst wird, die aber des Merkens würdig und wunderbar sind. Oft auch vollbringen wir selbst kleine und große Wunder, die wir erst später als solche sehen. Ein Leben ohne Wunder? Wie eintönig wäre es, würde es diese Augenblicke nicht geben, in denen wir staunen, überrascht sind und uns wundern dürfen – auch manchmal im negativen Sinne. Wenn alles vorhersehbar wäre und auf eingefahrenen Gleisen verliefe – wie traurig. Kleine Lichtblicke und Überraschungen, die Alltagswunder, sind wie das Salz in der Suppe. Wir müssen nur darauf achten, sie auch als solche zu erkennen.

Veröffentlicht von hedera77

Bin ein echtes Ostseekind, geboren in Rostock an der Warnow und noch heute glücklich - hier in meinem Elternhaus. Seit 15 Jahren bin ich im Ruhestand, der alles andere als ruhig ist. Immer noch bin ich neugierig - im Sinne von wissbegierig - und teile gerne meine Gedanken mit anderen denkfreudigen Menschen, egal welchen Alters.

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