ENDLICH RENTNER – und was nun??

„Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an … mit 66 Jahren, da hat man Spaß daran … Ihr werdet euch noch wundern, wenn ich erst Rentner bin!“ Ich bezweifle, ob Udo Jürgens wirklich wusste, wie Rentner „ticken“ und wie sie sich fühlen, wenn der große Tag gekommen ist, an dem sie entlassen werden in den „wohlverdienten Ruhestand“. Und das gilt natürlich allgemein für die Senioren, also die Rentner und Pensionäre gleichermaßen. Werden sie wirklich alle gleichermaßen HURRA schreien und ein Freudenfest feiern?

Wie habe ich es erlebt: Mit 63 Jahren durfte ich in das Rentnerleben eintreten. Also von Hundert auf Null. Vom Marathonläufer zum Schachspieler. Das Hamsterrad war angehalten worden. Und dieser Absprung vom beruflichen Leistungssport geschah ohne langsames Abtrainieren, also ohne Vorruhestandsregelung. Der Gedanke, plötzlich alle Zeit der Welt zu haben, allen unangenehmen Pflichten entkommen zu sein, führte bei mir anfangs zu einem unbändigen Glücks- und Freiheitsgefühl. Dauerurlaub, der Pflicht konnte die Kür folgen, was gab es Schöneres? Ich hatte mich auf diesen Lebensabschnitt vorbereitet. Hatte Ideen und Pläne, wobei ich auch den Abstieg in eine andere finanzielle Liga eingeplant hatte. Also, in das gefürchtete Loch fiel ich nicht. Wobei ich von WIR sprechen sollte, denn mein Mann hatte zeitgleich mit mir das Berufsleben an den Haken gehängt. Wir hatten weder Langeweile noch irgendwelche Beschäftigungsprobleme.

Doch eines hatte ich – und meinem Mann ging es ebenso – total unterschätzt: Vierzig Jahre und mehr hatte ich als Pädagoge ge- und belehrt, eigene und fremde Kinder gebildet und erzogen und dabei die Hoffnung nie aufgegeben, die Welt durch mein Tun wenigstens geringfügig besser machen zu können. Ich hatte Verantwortung getragen und wurde respektiert. Und nun? Die Erziehungs- und Bildungsobjekte waren plötzlich abhanden gekommen. Mein Wissen wurde nicht mehr gebraucht, mein pädagogischer Zeigefinger schon gar nicht. Das Gefühl, das meine Schüler mir gegeben hatten, wenigstens ab und zu recht zu haben, fehlte plötzlich. Ich stürzte mich auf die Erziehung unseres Hundes. Aber das lastete mich keineswegs aus. Er war klug, geduldig und widerspruchslos. Vermutlich hätte ich eine andere Rasse wählen sollen, um den Schwierigkeitsgrad zu erhöhen.

Ein entspannter Bootsausflug am Warnowufer

Nun, ich will die Geschichte abkürzen: Ich habe die Kurve gekriegt und bin heute – 14 Jahre später – ein glücklicher Mensch, ausgefüllt und zufrieden. Wie schafft man das? Wie kann man die neue Freiheit nutzen, und dabei sich und andere Menschen zufrieden machen? Die Antwort darauf ist so verschieden, wie auch die Menschen es sind. Und viele meiner Alterskollegen – ob Mann oder Frau – empfinden den sogenannten Ruhestand sogar als die schönste, kreativste und erfüllteste Zeit ihres Lebens.

Wie kann ein solches Leben gelingen, wird mancher Neu- oder Noch-nicht-Senior wissen wollen. Ein kleiner RATGEBER soll Tipps und Denkanstöße geben – ohne, dass ich belehren möchte. Ich werde kleine Geschichten erzählen, in denen Anne und Ulli, zwei fiktive pfiffige Rentner, die mitten im Leben stehen, die Hauptpersonen sein werden. Bleiben Sie gespannt!

Veröffentlicht von hedera77

Bin ein echtes Ostseekind, geboren in Rostock an der Warnow und noch heute glücklich - hier in meinem Elternhaus. Seit 15 Jahren bin ich im Ruhestand, der alles andere als ruhig ist. Immer noch bin ich neugierig - im Sinne von wissbegierig - und teile gerne meine Gedanken mit anderen denkfreudigen Menschen, egal welchen Alters.

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