Große Freude Enkelkind?

Hurra! Unsere Freunde Helga und Jochen waren endlich Großeltern geworden, so erfuhren wir am Telefon. Ihre älteste Tochter hatte einen gesunden Jungen auf die Welt gebracht, einen Elias-Jona. „Natürlich freuen wir uns über den Kleinen“, bekannte der Opa etwas zögerlich. „Aber Elias-Jona! Wie kommen die beiden nur auf diese biblischen Namen. Und dann noch im Doppelpack. Die Eltern sind weder getauft noch konfirmiert. Solche Namen passen doch überhaupt nicht zu unserer Familie. Weshalb ist das kein Paul oder Hannes geworden?“, jammerte er. Ich versuchte ihn zu beruhigen, die Namen seien doch wohlklingend und Doppelnamen modern.

Und als ich der frischgebackenen Oma meine Glückwünsche aussprach, klang ihre Stimme ebenfalls alles andere als glücklich. „Ach Anne, da ist noch was“, reagierte sie schließlich auf meine besorgte Nachfrage und erzählte, die Tochter habe den Kleinen per Kaiserschnitt bekommen, obwohl es überhaupt keine medizinische Notwendigkeit gegeben habe. Der Junge sollte unbedingt an ihrem Hochzeitstag zur Welt kommen, damit ihr Mann niemals dieses denkwürdige Datum vergessen würde. Außerdem habe sie Angst vor den Wehen und dem Geburtsschmerz gehabt und sich einer natürlichen Geburt nicht gewachsen gefühlt. „Ist das nicht schlimm?“ , fragte Helga unter Schluchzen und stieß hervor: „Und wir haben von alledem nichts geahnt. Sie haben uns nicht um Rat gefragt und nun können wir uns überhaupt nicht richtig freuen, sind so enttäuscht von unserer Tochter.“ Wir luden unsere Freunde für den nächsten Tag zum Kaffee ein und beendeten das Gespräch mit tröstenden Worten.

Nun sind wir weder Mediziner noch Psychologen, wie und was sollten wir raten? Wie anders hatten wir es erlebt, als wir Großeltern wurden. Als damals der Anruf unseres Sohnes kam, die kleine Caroline sei angekommen und sie seien die glücklichsten Eltern der Welt, konnten wir uns vor Freude nicht fassen. „Anne, du nimmst morgen den ersten Zug nach Bielefeld“, sagte Ulli. Das hätte er mir nicht extra sagen müssen. Schade nur, dass er wegen eines wichtigen Termins nicht mitkommen konnte. Diese ersten Stunden auf der Entbindungsstation mit der kleinen Caro auf dem Arm, die gemeinsame Freude mit Schwiegertochter und Sohn – niemals werde ich dies vergessen.

Unser Rat – nicht nur für Helga und Jochen:

  • Enkelkinder sind das schönste Geschenk, das uns unsere Kinder machen können. Nur das zählt.
  • Die Namenswahl ist allein Sache der Eltern. Wenn sie unseren Rat wünschen, können wir Vorschläge machen. Wenn nicht, sollten wir den Namen akzeptieren und uns mit Vorwürfen oder missbilligenden Bemerkungen zurückhalten. Das Kind zählt für die Großeltern, nicht sein Name.
  • Auch für die Art seiner Geburt kann der neue Erdenbürger nichts. Die Großeltern könnten sich höchstens fragen, weshalb sie nicht vor der Entbindung um Rat gefragt wurden. Haben die künftigen Eltern ihre ablehnende Haltung schon vorausgesehen? Stimmt etwas nicht im Vertrauensverhältnis zwischen den Generationen?
  • Großeltern sollten sich rückhaltlos freuen, wenn Mutter und Kind gesund sind. Falls nicht, sollten sie Halt und Liebe geben.

Veröffentlicht von hedera77

Bin ein echtes Ostseekind, geboren in Rostock an der Warnow und noch heute glücklich - hier in meinem Elternhaus. Seit 15 Jahren bin ich im Ruhestand, der alles andere als ruhig ist. Immer noch bin ich neugierig - im Sinne von wissbegierig - und teile gerne meine Gedanken mit anderen denkfreudigen Menschen, egal welchen Alters.

2 Kommentare zu „Große Freude Enkelkind?

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