Großeltern-Nöte

Das fiktive Rentnerpaar Anne und Ulli erinnert sich:

Unsere Enkelin Caroline, kurz Caro genannt, war drei Jahre alt, als wir Rentner wurden. Besonders Anne hat in der Zeit davor ziemlich gelitten, so erinnert Ulli sich. Wie gerne wäre sie mit dem Kinderwagen gefahren, hätte die Kleine gebadet und geknuddelt, ihre Geh- und Sprechversuche hautnah miterlebt. Aber wie, wenn Oma und Opa berufstätig sind und die Enkelmaus mit ihren Eltern mehr als 450 Kilometer entfernt lebt? Natürlich fuhren wir hin und wieder übers Wochenende nach Bielefeld oder die Kinder kamen zu uns.

Kennen Sie das, wenn die jungen Eltern ihr Auto ausladen und sich bei Ihnen einrichten? Himmel, was brauchte die Kleine alles, wenn es auf Reisen ging. Schon allein der Kinderwagen füllte den Kombi, aber dann kamen Taschen und Klappkisten mit Windelpaketen, Spielzeug und Wäsche, dazu die tausend Dinge der Eltern. „Sie bleiben doch nur zwei Tage?“, flüsterte ich Anne ins Ohr. „Oder wollen sie hier Jahresurlaub machen?“ Statt einer Antwort erhielt ich einen leichten Knuff in die Rippengegend und brauchte nur das strahlende Gesicht meiner Liebsten anzuschauen um zu merken, dass sich ab jetzt alles um das Wohl der jungen Familie drehen würde. Im Gästezimmer war kaum noch Platz zum Treten. So wurden Flur und Wohnzimmer einbezogen und das muntere Leben begann.

Vorerst lag Klein-Caro auf einer Kuscheldecke und klapperte fröhlich mit ihrer Rassel. Einige Monate später robbte und krabbelte sie durch die Wohnung und untersuchte alles, was für die Händchen erreichbar war. Bekam sie es nicht, machte sie Terror. „Das Kind braucht Grenzen“, sagte ich zu Anne. „Wehret den Anfängen, sonst haben wir hier bald einen kleinen Tyrannen.“ Aber die Oma beschwichtigte mich. „Sie ist doch noch so winzig. Ihr ganzes Leben hat sie noch mit Regeln, Gesetzen und Normen zu tun. Außerdem – so selten wie wir sie sehen, da müssen wir doch nicht auch noch an ihr herumerziehen.“

Das und Ähnliches hörte ich immer wieder von Anne und es mündete stets darin, dass Großeltern sich nicht in die Erziehung der Eltern einmischen sollten. Oma und Opa seien zum Verwöhnen da und dafür, die jungen Eltern hin und wieder zu entlasten. Außerdem wünschte Anne Harmonie in der Familie. Aber zwischen uns beiden fehlte sie, zumindest in dieser Frage. Damals.

Aus heutiger Sicht, Caro ist jetzt dreizehn, raten wir:

  • Großeltern sollten sich einig sein und mit den Eltern klare Absprachen treffen.
  • Die Erziehungsziele und -methoden werden von den Eltern bestimmt. Ihre absoluten Grenzen sollten von den Großeltern akzeptiert werden. Sie müssen lernen, sich zurückzuhalten.
  • Spannungen zwischen Eltern und Großeltern spürt das Kind und steht vor der Entscheidung, wen es lieber hat. Das ist nicht gut. Deshalb klären Sie Unstimmigkeiten in ruhiger Atmosphäre in Abwesenheit des Kindes.
  • Das Verwöhnprogramm von Oma und Opa sollte sich auf Zuhören, Spielen, Zeit und Liebe konzentrieren.

Veröffentlicht von hedera77

Bin ein echtes Ostseekind, geboren in Rostock an der Warnow und noch heute glücklich - hier in meinem Elternhaus. Seit 15 Jahren bin ich im Ruhestand, der alles andere als ruhig ist. Immer noch bin ich neugierig - im Sinne von wissbegierig - und teile gerne meine Gedanken mit anderen denkfreudigen Menschen, egal welchen Alters.

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