Macht der Gewohnheit

Am frühen Morgen, nach dem Frühstück, folgt bei der letzten Tasse Kaffee der Griff zur Tageszeitung. Wie immer wird der Lokalteil zuerst gelesen, wie immer beginne ich mit der letzten Seite. Verrückt, aber so ist es. Als kürzlich die Zeitung nicht zur gewohnten Zeit im Briefkasten steckte, geriet der morgendliche Automatismus ins Stottern. Das vertraute Ritual, die Macht der Gewohnheit, wurde brutal ausgebremst. Anlass für mich, darüber nachzudenken, wie ich von Gewohnheiten, die zur Routine geworden sind, durch den Tag gesteuert werde. Und das ist gut so. Meistens jedenfalls.

Routine, Rituale bringen Struktur und Ordnung in den Alltag und entlasten das Gehirn. Es muss sich nicht ständig entscheiden, kann im Sparmodus fahren und sich mit anderen wichtigeren Dingen befassen. Barack Obama soll während seiner Amtszeit einmal gesagt haben, er trage grundsätzlich nur blaue und graue Anzüge, denn er wolle sich in dieser Frage nicht entscheiden müssen, weil sein Gehirn täglich viele wichtigere Entscheidungen treffen müsse. Gute Gewohnheiten tun uns also gut.

Ganz sicher keine Unart: der tägliche Spaziergang bei jedem Wetter

Aber leider! Genauso verfährt unser Gehirn mit mit den schlechten Gewohnheiten, den Unarten, die uns schaden und anderen oft auf die Nerven gehen. Es unterscheidet nicht zwischen guten und schlechten, richtigen und falschen Gewohnheiten. Wohl jeder hat sie, die Unarten, aber nicht jeder empfindet sie als solche. Und die wenigsten schaffen es, sie abzulegen. Denken Sie nur an die Silvestervorsätze für das neue Jahr. Nur zehn Prozent der Menschen gelingt es, ihren Autopiloten im Kopf umzuprogrammieren. Denn wir müssen wissen, dass Gewohnheiten sich erst automatisieren, wenn man mindestens 30 Tage lang etwas Neues tut, also von der bisherigen Gewohnheit abweicht. In dieser Zeit aber ist äußerste Selbstdisziplin nötig.

Und das ist das Problem: Der Verstand sagt uns, dass wir manche Gewohnheiten abstellen sollten. Täglich ungesundes Knabber- und Naschzeug nebst Cola, zuckerreiche Mixgetränke oder Alkohol nach dem Abendessen. Zu wenig Sport, zu viele Zigaretten – wie soll so eine Gewohnheit gestoppt werden? Gilt sie doch als Belohnung für einen oft anstrengenden Arbeitstag. Aber es kann funktionieren, besonders in der Gemeinschaft. Aber nie ohne konsequente Selbstdisziplin.

Veröffentlicht von hedera77

Bin ein echtes Ostseekind, geboren in Rostock an der Warnow und noch heute glücklich - hier in meinem Elternhaus. Seit 15 Jahren bin ich im Ruhestand, der alles andere als ruhig ist. Immer noch bin ich neugierig - im Sinne von wissbegierig - und teile gerne meine Gedanken mit anderen denkfreudigen Menschen, egal welchen Alters.

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