Der ungeliebte Mitbewohner

Wir haben einen Dauergast, der sich bei uns pudel-, nein maulwurfswohl fühlt. Noch nie haben wir ihn zu Gesicht bekommen, haben auch fast die Befürchtung, es ist nicht nur ein einziger Gast, sondern eine ganze Sippe, ein Rudel, eine Horde … Verflixt nochmal. Was heißt überhaupt Gast. Wir haben ihn weder eingeladen noch zum Bleiben bewogen. Im Gegenteil, kaum etwas haben wir unversucht gelassen, ihn zum Verschwinden zu bewegen. Und dabei wissen wir, es sind Nützlinge! Dass ich nicht lache. Er verdirbt uns die gute Laune, wenn wir am Morgen sehen, was er in der Nacht wieder angestellt hat. Soll er doch in die abgeernteten Gemüsebeete gehen und sich da austoben. Muss es ausgerechnet unser Rasen sein?

Hier bin ich Maulwurf, hier darf ich’s sein

Nichts haben wir unversucht gelassen, ihn zu vergraulen: Flaschen, Blumenübertöpfe, Pieper, die teure Batterien verbrauchten, Wasser in seinen Bau laufen lassen … Naturschützer: Bitte nicht lesen! Es ist doch nur pure Notwehr. Wir wollen ihn doch nicht umbringen, aber … Ja, ich weiß, es ist unredlich, unmoralisch, wenn ich mir wünsche, er möge zum Nachbarn umziehen. Wir würden ihn sogar irgendwo hintragen, wo er beste Lebensbedingungen hätte. Aber dazu müsste er sich blicken lassen. Ach, wenn doch Blacky, unser geliebter Labi, noch lebte, so jammern wir. Seine fröhlichen Spiele auf dem Rasen hatten die schwarzen Plagegeister offensichtlich gestört und sie waren nie lange geblieben. Aber die Ruhe unserer menschlichen Zweisamkeit gefällt ihnen und auch der regelmäßige Einsatz des Rasenmähers erträgt er mit stoischer Ruhe.

„Du musst dir die Angler zum Vorbild nehmen“, sagte ein Freund kürzlich zu meinem ratlosen Mann. „Nimm dir einen Hocker, sitz mucksmäuschenstill bis du siehst, wie die Rasendecke sich hebt. Dann musst du einen Spaten und Eimer griffbereit haben.“

„Und wenn du nur den Vater erwischst und der Rest der Familie wird zu Witwe und Halbwaisen?“, warf ich ein. Nicht auszudenken für mich. Irgendwie tun die fleißigen Schwarzkittel mir auch leid. „Stell dir vor, es wären Wildschweine, die deinen geliebten Garten umpflügen. Es sind doch nur kleine Maulwürfe.“ Wie so oft brachte ich meinen Mann zum Umdenken. „Nur?“, das war das vorerst letzte Wort zu dieser kleinen Katastrophe.

Veröffentlicht von hedera77

Bin ein echtes Ostseekind, geboren in Rostock an der Warnow und noch heute glücklich - hier in meinem Elternhaus. Seit 15 Jahren bin ich im Ruhestand, der alles andere als ruhig ist. Immer noch bin ich neugierig - im Sinne von wissbegierig - und teile gerne meine Gedanken mit anderen denkfreudigen Menschen, egal welchen Alters.

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