
Die Abba-Gruppe mit Kinderchor trug diesen Song um die Welt. Ob Nana Mouskouri oder die Westlife-Jungs, ob Gospelsänger oder Schulchöre – sie sangen danach auf ihre Weise Lieder vom großen Traum zur Abba-Melodie. Der Traum von Liebe, Freiheit, Gleichheit und Menschlichkeit, der seit Anbeginn der Menschheit in unseren Köpfen lebt und leben wird.
Jedes Jahr – es ist immer der dritte Montag im Januar – begehen die US-Amerikaner ihren Martin-Luther-King-Day, einen Gedenk- und Feiertag, der eigentlich schul- und arbeitsfrei sein sollte. Stevie Wonder, dem afroamerikanischen blinden Soul- und Popsänger, haben seine Landsleute zu verdanken, dass dieser Gedenktag in allen 50 Bundesstaaten der USA seit 1983 Gesetz ist.
Zwanzig Jahre zuvor hielt der schwarze Baptistenpfarrer und Bürgerrechtler Martin Luther King seine berühmteste Rede vor 250 000 Menschen am Lincoln-Memorial in Washington. Als Meisterwerk der Rhetorik wird sie auch bezeichnet. Er beendete seine Ansprache mit fünf Visionen zum gewaltfreien Sieg über Diskriminierung und Menschenverachtung und schloss: “ Ich habe einen Traum, dass meine vier kleinen Kinder eines Tages in einer Nation leben werden, in der man sie nicht nach ihrer Hautfarbe, sondern nach ihrem Charakter beurteilt. “ Wie glücklich wäre er bei Obamas Amtsübernahme gewesen.
Übrigens, 1964 besuchte er auf Einladung Willy Brandts Westberlin. Ohne Reisepass, nur mit den Angaben für seine Identität auf der Kreditkarte, durfte er auch den Osten Berlins betreten, um in der überfüllten Marienkirche und danach in der Sophienkirche zu predigen. Im Dezember desselben Jahres wurde ihm der Friedensnobelpreis verliehen. Vier Jahre darauf wurde er auf dem Balkon eines Motels in Memphis, Tennessee, erschossen. 50 000 Menschen kamen zu seiner Beerdigung.
Und sein Traum? Wir wissen, er ist so aktuell wie nie zuvor und betrifft schon lange nicht mehr nur das Rassenproblem in den USA, sondern ist – zusammen mit der tiefen Sehnsucht nach Frieden – ein Menschheitstraum geblieben.
Es gab in meinem Leben Zeiten, in denen ich gedacht hatte, mich niemals mehr mit Fragen von Krieg und Frieden ernsthaft auseinandersetzen zu müssen. Erwachsen geworden war ich mit dem „Lied vom einfachen Frieden“, den Aufrufen „Schwerter zu Pflugscharen“ und „Frieden schaffen- ohne Waffen“, wusste natürlich auch von der großen Friedensbewegung im „Westen“, den Massendemonstrationen gegen Vietnamkrieg , NATO-Doppelbeschluss, den Ostermärschen. Nie wieder Krieg! Dieser Satz einte die Menschen in Deutschland und Europa. Und endlich kam das große Aufatmen. Der Kalte Krieg war vorüber, Ost und West näherten sich an, die Mauer fiel. Nun, jeder kennt die Geschichte und weiß, wie es weiterging.
Und heute? Entsetzen und Enttäuschung machen mich fassungslos und bereiten mir schlaflose Nächte. Hier in Deutschland lebe ich. Mitten in Europa. Und die Bundeswehr soll kriegstüchtig gemacht werden! Die Rüstungsindustrie erlebt goldene Zeiten! Die Zivilbevölkerung soll wieder umdenken und sich an die Bilder von Krieg und Terror gewöhnen. Und nicht nur das.
Nie wieder Krieg! Ja, was denn sonst? Eine Alternative sollte es doch nie wieder geben. Ich bin im Krieg geboren worden und kann mich noch sehr gut an das Trümmerfeld meiner Heimatstadt erinnern. Und nun sehe ich tagtäglich die Trümmerfelder in ukrainischen Städten und den zerbombten Gaza-Streifen. Meine Kinder und Enkel sollen und wollen ähnliches nicht erleben müssen. Wo sind die kompetenten Politiker, vor allem die guten Diplomaten, die ihren Eid und die Sorgen der Menschen ernst nehmen?
Vielleicht brauchen wir auch wieder Musik, und zwar solche, die die Welt aufrüttelt. Dabei denke ich wieder an Stevie Wonder, der es 1985 gemeinsam mit Michael Jackson und vielen berühmten Sängerinnen und Sängern schaffte, dass mit ihrem Projekt „USA for Africa“ der Song „We are the world“ fast über Nacht die Welt auf den Hunger in Afrika aufmerksam gemacht wurde. Den Erlös dieser Aktion spendeten sie für Afrika. Ein fantastischer Dokumentarfilm mit Gänsehaut-Feeling ist darüber entstanden.
Wie komme ich auf dieses Thema? Heute ist der 06.06. 2024 – vor achtzig Jahren landeten die westlichen Alliierten in der Normandie zum Todesstoß gegen das Hitlerregime.
