
Irgendwann, vor etwa zehn Jahren mag es gewesen sein, wurde mir klar, es waren zu viele Bücher, die in unserer Wohnung Platz beanspruchten und ich verordnete mir einen Kaufstopp. Um meine Leselust zu befriedigen, stöberte ich in der Stadtbibliothek, lieh mir Bücher aus oder nutzte die Onleihe, um auf dem Tablet lesen zu können. Doch dann sah ich bei meiner technikinteressierter Familie ein kleines Gerät mit dem schlafenden Smiley auf dem Display und begriff, dass dieser eBook-Reader die Lösung für mein Problemchen bot und erwarb einen ‚Tolino‘, der bald zu meinem unverzichtbaren Begleiter werden sollte. Mittlerweile ist es die neuere Variante, die wie sein Vorgänger eine weinrote Schutzhülle bekam und immer griffbereit liegt. Ich nehme ihn mit auf Reisen, zum Friseur und ins Wartezimmer beim Arzt, nutze ihn auf meiner Liege im sonnigen Garten, im Bett , denn dafür benötige ich keine Nachtischlampe und störe Tom nicht beim Schlafen.
So manches Mal spürte ich Gegenwind: „Kannst du dir keinen Kindl leisten?“ Von anderer Seite hieß es: „Ich muss ein ‚lebendiges‘ Buch in der Hand halten, es spüren können und blättern, will mich am Cover und dem Schutzumschlag freuen.“ Bin ich etwa eine seelenlose Banausin, die ihre bibliophilen Kostbarkeiten ihres Bücherschranks nicht mehr wertschätzt? Ganz sicher nicht, aber ich weiß die Vorteile meines Tolino zu schätzen und weiß genau, wann und warum ich ein bestimmtes Buch als eBook-Variante erwerbe.
Wenn ich im Menü des Readers auf zu meinen Büchern tippe, öffnet sich mein digitaler Bücherschrank, in dem ich zurzeit vierundachtzig Bücher gelistet habe. Ich kann sie alphabetisch nach den Verfassern oder den Titeln ordnen, kann sie mir als Cover-Foto anschauen, kann nachsehen, wann ich mit wem ein Buch geteilt habe und kann genauso einfach im Thalia-Shop stöbern, denn ich bin per WLAN verbunden und könnte mir rund um die Uhr neuen Lesestoff kaufen. Übrigens ist die elektronische Variante preislich günstiger als das gedruckte und gebundene Buch.
Die meisten Bücher auf meinem Reeder sind von J.D.Robb. Sicher kennt ihr diese amerikanische Bestsellerautorin unter ihrem eigentlichen Namen, Nora Roberts. Das Pseudonym wählte sie für ihre fiktive Thriller-Serie über die Polizistin und Lieutenant der New Yorker Mordkommission Eve Dallas und ihren Mann, den irischstämmigen Rourke. (Als „In Death-Serie“ ist sie im englischsprachigen Sprachraum bekannt.) Das Pseudonym J.D.Robb entstand aus den Initialen Jason und Dan, dazu die Abkürzung von Roberts. Die Eve-Dallas-Serie ist sicher kein Geheimtipp mehr, denn im Internet ist zu lesen, dass es mittlerweile 61 Bände gibt, deren Handlungen übrigens im New York der 50er und 60er Jahre des 21..Jahrhunderts angesiedelt ist. So gehört die Serie zum Genre der Science-Fiction-Reihen.
Es ist für mich unvorstellbar, dass diese Autorin – sie wird in diesem Jahr ihren 75. Geburtstag begehen und begann erst 1979 mit dem Schreiben – bisher über 225 Romane veröffentlicht hat. Darunter viele gut geschriebene Liebesromane, ich denke an ihre Irland-Trilogie (die „Sturm“-Bücher) und viele andere. Die Autorin schreibt täglich etwa acht Stunden, auch im Urlaub. Alle Neuerscheinungen kommen zuerst in gebundener Form und als eBook zum Leser, später folgen die Taschenbuchausgaben, die schneller auf dem Büchermarkt erscheinen können. Als preiswerteres eBook erreichen sie innerhalb weniger Minuten auf dem elektronischen Reader ihre Leser.
In Abständen habe ich das Bedürfnis, beim Lesen das Genre zu wechseln und mich in die Welt von Eve Dallas zu vertiefen. Ich liebe diese Krimis und es ist wie nach Haus zu kommen, wenn ich Eve und ihre Kollegen, Rourke und die gemeinsamen Freunde vor mir sehe. Ich kenne sie, verstehe sie, habe Bilder in meinem Kopf, die sich von Geschichte zu Geschichte vertiefen und verdichten. Ich bin mir sicher, Eve und Rourke werden sich nie trennen, ihre so besondere Liebe wird immer tiefer werden, sie werden keine Kinder bekommen wollen und Eve wird trotz lebensbedrohender Auseinandersetzungen mit den Kriminellen die Fälle lösen. Ich bin mir sicher, dass es keine Verfilmungen dieser Bücher geben wird. Und das ist auch gut so. Übrigens lese ich die Eve-Dallas-Bücher ausnahmslos auf dem Tolino. Es geht mir nur um den Inhalt und wie J.D.Robb die Geschichten schreibt. Dafür reicht mir die eBook-Variante.
Nicht immer freue ich mich über Romanverfilmungen, bin oft enttäuscht, wenn meine Kopfbilder nicht mit denen der Filmemacher übereinstimmen. Aber natürlich, wie soll das auch funktionieren? Dabei denke ich besonders an „Die Outlander-Saga“ von Diana Gabaldon. Auch diese bislang neun Romane, jedes Buch mit über tausend Seiten, habe ich auf meinem Tolino gespeichert. Ebenso die acht Bände der „Sieben Schwestern“-Reihe von Lucinda Riley und die achtbändige Buchreihe von Jeffrey Archer: „Die Clifton-Saga“. Ich mag die wechselvolle und spannend geschriebene Familiengeschichte der Cliftons und Barringtons im England und Amerika Mitte des 20. Jahrhunderts und denke, kaum eine männliche oder weibliche Leseratte kennt diese Bücher nicht. Es ist ein ganz kleiner Teil der Unterhaltungsliteratur unserer Zeit, interessant und spannend geschrieben, der aber nicht unbedingt in meinem Bücherschrank stehen muss.
An dieser Stelle möchte ich meine LESELUST-Texte abschließen. Ich merke, wie viele Bücher ich nicht erwähnt habe, obwohl sie mir enorm wichtig waren und sind. Denkt nicht, der große Bereich SACHLITERATUR existiert nicht für mich. Fehlanzeige! So lese ich gerade ein weiteres Buch von Frank Fabian: „Die größten Lügen der Geschichte“ und freue mich, dass die Beschäftigung im Garten Ablenkung und Nachdenkzeit zugleich schenkt. Habt auch ihr eine schöne Zeit – mit oder ohne Buch.