
Natürlich las ich, erlebte eine Lesereise, denn in Kolumbien und anderen Ländern des amerikanischen Kontinents war ich noch nie. Und trotzdem – oder gerade deswegen- faszinieren mich diese Bücher. Neben Isabel Allendes Romane las ich auch die weltberühmten von Gabriel Garcia Marquez „Hundert Jahre Einsamkeit“ und „Die Liebe in Zeiten der Cholera“. Der Autor, ein Kolumbianer, hat eine interessante Biografie: 1927 wurde er als ältester Sohn eines Apothekers geboren, neun Geschwister folgten. Er bekam ein Stipendium, studierte Jura, wechselte aber bald zur Literatur. Von den Werken Ernest Hemingways, Virginia Woolfs und William Faulkners wurde er stark beeinflusst. Als Fidel Castro ihn bat, ein Werk über die kubanische Revolution zu schreiben, veränderte dies sein Leben. Eine tiefe Freundschaft zu Castro entstand und Marquez wurde zum bekennenden Sozialisten.
Der Roman „Hundert Jahre Einsamkeit“ , 1967 veröffentlicht, in 32 Sprachen übersetzt und über 30 Millionen Mal verkauft, wurde zum meistgelesenen Roman weltweit und wird als berühmtester Roman Lateinamerikas gesehen. 1982 erhielt Marquez für seine Werke den Nobelpreis für Literatur. Das Preisgeld verwendete er für die Gründung einer Tageszeitung und wurde Mitbesitzer einer Zeitschrift. Ich denke, kein Literaturbegeisterter kommt an diesem Autor vorbei.

Zurück nach Europa. Gerne las ich auch den Roman von Pascal Mercier „Nachtzug nach Lissabon“. Hinter dem Autorenpseudonym steckt der schweizer Philosoph Peter Bieri. Im Roman trifft der 57jährige Berner Gymnasiallehrer Gregorius eine unvorhersehbare Entscheidung, die sein bisher wohlgeordnetes Leben infrage stellt. Die Begegnung mit einer Frau und einem kleinen Buch treiben ihn nach Portugal. Mit dem Nachtzug reist er nach Lissabon und geht auf die Suche. Wonach? Findet es heraus, indem ihr lest. Denn ihr seid dabei. Über zwei Millionen Mal wurde dieser europäische Bestseller allein im deutschsprachigen Raum verkauft und in 32 Sprachen übersetzt.
Danach las ich weitere Romane von Mercier, so zum Beispiel „Perlmanns Schweigen“ und „Der Klavierstimmer“. Auch an ihnen reizte mich besonders die psychologische Gestaltung seiner Figuren und die Themen, die sicher nicht nur mich zu ethischen Auseinandersetzungen führten.
Eine weitere Tochter-Empfehlung war wieder ein Spanien-Roman, den die griechisch-englische Autorin Victoria Hislop schrieb. „Das Herz der Tänzerin“, wieder ein Fessel-Roman, der mich gemeinsam mit mit der Protagonistin – der jungen Engländerin Sonia – nach Spanien reisen ließ, wo sie mit einer Freundin einen Flamenco-Tanzkurs gebucht hatte. Dabei ahnte sie nicht, dass sie ihre eigene Familiengeschichte kennenlernen wird, als sie von der ergreifenden Liebesgeschichte zwischen der berühmten Flamencotänzerin Mercedes und Javier mitten im spanischen Bürgerkrieg der Franco-Zeit erfährt. Zwei Erzählebenen, wobei mich besonders der historische Teil fasziniert hat.
So, nun habe ich einen großen gedanklichen Umweg gemacht und werde den Weg zurückgehen zu Sonia Laredo und „Das Glück der Worte“. (Erinnert ihr euch an den 5. Text von „Leselust“?)

Welch ein Geschenk, wenn jemand so schreiben kann wie diese Spanierin Sonia Laredo. Und es ist ihr Debüt-Roman! Ich sehe während des Lesens dieses Örtchen Nuba in den spanischen Bergen, am Pilgerpfad auf dem Weg nach Santiago de Compostela gelegen, erlebe die arbeitslose Lektorin Brianda in ihrem kleinen Mietwagen, die am Eingang des kleinen Ortes ein Schild sieht. „Nachfolger für Antiquariat gesucht“. Es kann eigentlich gar nicht anders kommen. Diese Information ist der Wegweiser für ihr künftiges Leben und der alte Don Lorenzo wird der väterliche Freund, den sie so dringend braucht.
Also, alles vorhersehbar? Der Leser kennt bereits das Happy end? Oh nein! Ich habe es miterlebt, das Glück der Worte und der Liebe – nicht nur zu den Büchern. Eine zauberhafte Geschichte, voller Farben und Düften – und voller Lebensweisheiten, die die belesene und kluge Brianda an ihre Kunden weitergibt und sich dabei selbst verändert. Also: Frauen, die lesen, sind begehrt! Entschuldigt, liebe männliche Lesebegeisterte, das soll keineswegs diskriminierend gemeint sein.
Natürlich kommt bald meine Fortsetzung!